Operare – Hinter den Türen

Ein Theater im öffentlichen Raum. Aus dem Operare-Workshop heraus entstand gemeinsam mit Philip Bergmann (Choreografie, Performance), Nien-Mari Chatz (Performance), Karen Rémy (künstlerische Gesamtleitung, Produktion, Performance), Andrea Schönherr (Dokumentation, Video) und Stefan Weihrauch (Komposition, Einstudierung) das Projekt “Hinter den Türen”. Mein Part war das Bühnen- und Kostümbild. Und das kam dabei heraus:


Angedachte Ästhetik und Ideen für das Bühnen- und Kostümbild

Das Theater wird durch die Inszenierung aus dem regulären Theaterbetrieb herausgelöst, das Stück wird in die jeweils vorhandene städtische und örtliche Architektur integriert und findet in einem neuen Umfeld statt. Das Bühnenbild ist ein weißes Labyrinth – eine begehbare Installation, eine Skulptur mit organischen, abgerundeten Formen im Sinne eines Irrgartens, mit Wegverzweigungen, Kreuzungen, Sackgassen und vielen einzelnen Räumen innerhalb des Ganzen. Inspiriert von dem Bild eines Hochhauses mit hunderten bunten Fenstern, die in der Großstadtkulisse wie kleine menschliche Zellen wirken. Die Zuschauer sind nicht mehr nur passiver Teil des Theaterereignisses, sie werden in das Bühnenbild integriert. Sie wandern innerhalb der einzelnen menschlichen Zellen, um zu verweilen und um sich immer wieder von Neuem entscheiden zu können, welchen Weg sie einschlagen, was sie sehen und erleben wollen.

Hinter den Türen: Inspiration
Verknüpft wird der Raumgedanke mit dem Begriff der „Einsamkeit“, bei dem es eine positive Seite (Rückzug, Besinnung, Gedankenordnung, Kreativität, Freiheit, bildlich als Abgeschiedenheit im Garten) und die negative Seite, die soziale Isolation, das Getrennt sein von anderen Menschen, als schmerzhaft empfundenes Alleinsein, gibt. Beide Seiten der Einsamkeitsempfindung werden in die Raumkonzeption mit einbezogen. Dabei stehen die verschlungenen Wege des Labyrinths, bei uns sinnbildlich für die „Großstadteinsamkeit“, für die schwierigen Wege zueinander. So nah und doch so allein, einzeln im Gewühl der menschlichen Leiber. Unser Labyrinth steht symbolisch für das menschliche Leben schlechthin, für die Wege auf Umwegen zur Erkenntnis. So entstand die Assoziation zu einem Bienennest, das eine Art Metapher für die Örtlichkeiten unseren inneren und äußeren Lebens ist. „In tausend Honigwaben speichert der Raum verdichtete Zeit. Dazu ist der Raum da.“ (G. Bacherlard)

Hinter den Türen: Skizze
Innerhalb der Raumskulptur wollen wir Räume für Intimität und Einsamkeit schaffen, sie anhand der folgenden Beispielfragen und Gedanken untersuchen: Wie waren sie? „Wie groß waren die Zimmer? Waren die Winkel heiß? Und woher kam das Licht? Wie verhielt sich in diesen Räumen das menschliche Wesen zur Stille? Wie schmeckten ihm diese verschiedenen, so besonders gearteten Formen der Stille in den verschiedenen Schlupfwinkel in den einsamen Träumereien?
Und wenn alle Räume unserer Einsamkeit hinter uns zurückgeblieben sind, bleiben doch die Räume, wo wir Einsamkeit erlitten, genossen, herbeigesehnt oder verraten haben, in uns unauslöschlich. In den Träumen der Nacht kehrt man dahin zurück. In den Labyrinthen des Schlafes….“ (G. Bacherlard)
Das Spiel der Darsteller, der Tänzer mitten unter den Zuschauern, das Spiel mit Licht und Schatten, die damit verbundene Bewegungssuche sind weitere Grundgedanken bei der Konzeption der Räume und der Bewegung der menschlichen Körper darin. Die elementare Beziehung zwischen Architektur, Bewegung, Musik und Licht sind miteinander verbunden, reagieren aufeinander und sind voneinander abhängig.

Hinter den Türen: Skizze 2

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