Kunstobjekt. Wal. Verletzungen?

Ich baue gerade an einem neuen Objekt und frage mich, woher habe ich diese Bilder in mir, denn ich hatte mir vorher nicht explizit die grausamen, blutigen Bilder von Walfängen angeschaut. Und trotzdem habe ich Metallröhren (aus Aluminium) in mein entstehendes Walobjekt reingesteckt und es aus diversen, vorher hineingeschlagenen Löchern bluten lassen. Ich baue da etwas und weiss die ganze Zeit nicht, was es genau wird und wie es aussieht. Ich mache es einfach. Ich werde von Unbekanntem geleitet und belebt. Nach Georg Groddeck ist in mir ein Es, „irgend ein Wunderbares, das Alles was ich tue und was mit mir geschieht, regelt.“ Und wenn ich bereit bin „die Grenzen meines Bewusstseins durch Forschung und Arbeit zu erweitern, könnte ich tief in das Unbewusste eindringen, wenn ich mich entschließe, nicht mehr wissen zu wollen, sondern zu phantasieren.“

Natürlich habe ich in der Vergangenheit die brutalen Bilder zu Gesicht bekommen und wenn ich es mir genau überlege, waren Leid, Schmerz und die Abgründe auch die ganze Zeit meine Themen. Doch recherchiert habe ich mir Bilder von glücklichen, freilebenden Walen auf wunderschönen Unterwasseraufnahmen und habe beim Bauen nebenbei Walgesängen gelauscht. Oft dachte ich dabei, dass es mir nicht so sehr um die Wale an sich geht, sondern eher um meine eigene Faszination für diese gigantischen, unerreichbaren Lebewesen. Um eine merkwürdig anmutende Verbindung mit ihnen, um Begegnungen in den dunklen Tiefen meiner Träume. Als ich rote Farbe genommen hatte, als ich in die Oberfläche meines Walobjekts kraftvoll einstach, hatte ich keine Bilder von abgeschlachteten Walen vor Augen. Vielleicht sind diese Bilder trotzdem in mir, in den von mir unerforschten Räumen meines Unterbewusstseins. Vielleicht sind in allen von uns, in unserem Blut, lauter vergangene und stattgefundene Schlachten, Kriege und Kämpfe. Vielleicht sind wir eine Summe von Toten und sie leben in uns weiter. Vielleicht ist meine Objektkunst eine Andere, ich baue nicht das was ich sehe, sondern das was ich fühle, gebe meinem Gefühl eine berührbare Gestalt. Und mache etwas sichtbar, was mit bloßem Augen nicht zu sehen ist. Und ich bin gespannt, wohin mich diese Reise führen wird…

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