Mahler-Projekt Bayreuth (2)

Ein Matinee mit Liedern von Gustav Mahler, Texten und Szenen von Dirk Schattner, mit Leigh Martha Klinger (Darstellerin/Sängerin), Mitsuyo Okamoto (Sängerin), Wolfgang Kluge (Musikalischer Leiter, Klavier) und Lea Marchl Wilson (Darstellerin). Begleitet von der Sambagruppe Beat Percussion, Trommelmusik und einer Malaktion, entsteht während der Performance ein großformatiges Bild für und von allen Beteiligten, Gästen und Darstellern. Mein Part waren hierbei die Bilder (Bühne und Kostüme für die Uraufführung 2011, Entwürfe gibt es in der Galerie) und die Ausstattung des ShowActs. Und das kam dabei heraus:

„Ich bin der Welt abhanden gekommen“ – Gustav-Mahler-ShowAct. Augenblicke – Ausblicke – Einblicke.

„Etwa ein Jahr vor der Uraufführung von „Ich bin der Welt abhanden gekommen“ versammelte sich das Kreativ-Team in Bayreuth zu einer intensiven Arbeitsphase. Den krönenden Abschluss bildete unser Gustav-Mahler-ShowAct – mitten im Herzen der Festspielstadt. „Ich bin der Welt abhanden gekommen“ ist ein musikdramatisches Werk, in dem die Musik Mahlers auf Szenen, auf Innenansichten von Sehnsucht und Hoffnung, von schwebender Begeisterung treffen. Ein junges Mädchen, ein junger Mann in der Schwebe, im Flug unter einer Zirkuskuppel, gespiegelt von tausenden von Augen. Die Zuschauer warten auf den Absturz. Die Lebensgefahr macht den Zirkus zu einem Ort von existentiellem Feiern, Lieben – und vielleicht auch Sterben. Im Wirbel der Trommeln werden die Augenblicke ins Unermessliche vergrößert. Ein Tanz. Wie ein Kinderspiel, das Verloren geht.“ Dirk Schattner

August 2010, Festival junger Künstler Bayreuth, dort wo wir der Welt abhanden gekommen sind, um miteinander Theater zu spielen. Das sind wohl, genau diese Tage und diese Augenblicke, die in Begegnung mit wunderbaren Menschen passieren, wo das gemeinsame Theater-Machen, die dabei entstehende Energie, ineinander fließt und alle Wunden zu heilen scheint. Dort wo das Leben so intensiv ist, auf der Bühne, an einem selbst geschaffenem Ritual–Ort, bei einer Voodoo-ähnlichen Zusammenkunft, „einer Totenbeschwörung, einem Theater der Auferstehung, das den täglichen Tod voraussetzt.“ (nach Heiner Müller, Alejandro Jodorowsky)

Draußen in der Sonne, zwischen den eng stehenden Tischen vor einem vollbesetzten Lokal auf der Opernstraße, haben wir eine kleine 2 x 2 Meter große Bühne gebaut und eine Party, einen „Kindergeburtstag, der in den Regen, ins Wasser gefallen ist,“ (2010: 150. Geburtsatg Gustav Mahlers) mit viel bunten Chaos drumrum veranstaltet. Es wurde gelesen, gesungen, gemalt, gelacht, getrommelt und Krach gemacht. Das Wasser, der Regen, das waren die Tränen die die Worte umflossen. Die Worte und Töne, die wie herumfliegende Glassplitter, wie ein Splitterregen aus lauter kleinen Fragmenten, Teilwahrheiten einer zerbrochenen Geschichte waren. Frei und losgelöst wirkten sie gewalttätig, stachen, ritzten, schnitten, verletzten, waren wie eine Bedrohung für das eigene Empfindungsvermögen. Die Kinder, das waren die Erwachsenen, die sich bunt verkleidet haben und eine Vorstellung schmissen. Bewaffnet mit buntem Konfetti, Luftschlangen, Luftballons, Seifenblasen, Rauchringen, Farben, Pinseln, mit Bonbons gefüllten Totenschädel und grell bemalten Bettlaken, erzählten sie von der Liebe, vom Schmerz und Verlust, von magischen Augenblicken, vom Leben, vom Träumen, vom Stürzen und dem Aufgefangenwerden. Sie gaben wunderbare Einblicke mit herzzerreißenden Liedern und tiefgreifender Musik in das kommende Jahr 2011, in dem wir des 100. Todestages von Gustav Mahler gedenken und sein Schaffen auf eine ganz besondere, unverwechselbare Art und Weise, mit einem neuem Musik-Theater-Werk feiern werden!

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